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Dieses Szenario ist kein Einzelfall. Bei ERP-Einführungen in KMU läuft erschreckend oft dasselbe Muster ab — unabhängig von Branche, Unternehmensgrösse oder gewähltem System. Die gute Nachricht: Die häufigsten Fehler lassen sich benennen. Und wer sie früh kennt, kann sie vermeiden. 

Warum ERP-Projekte im KMU besonders anfällig sind 

Grossunternehmen haben Projektbüros, erfahrene Projektleiter und manchmal eigene ERP-Teams. Im KMU sieht die Realität anders aus: Dieselben Personen, die das Projekt führen sollen, verantworten gleichzeitig das Tagesgeschäft. Zeit, Erfahrung und Struktur sind begrenzt. 

Hinzu kommt ein Ungleichgewicht, das selten offen angesprochen wird: Anbieter sind routiniert im Verkauf und in der Präsentation. KMU sind es nicht — in der Beurteilung komplexer IT-Angebote. Was in der Offerte schlüssig klingt, entpuppt sich später als lückenhaft oder zu optimistisch geplant. Die Folge sind Verzögerungen, Mehrkosten und ein wachsendes Missverhältnis zwischen Erwartung und Realität. 

Kurz: Nicht die Technik allein entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Sondern Vorbereitung, Entscheidungen und Führung. 

Die 7 häufigsten Fehler bei ERP-Einführungen im KMU 

1. Unklare Ziele – Hauptsache neues System

Viele ERP-Projekte starten, weil das alte System «nicht mehr reicht» oder «endlich abgelöst werden muss». Was konkret besser werden soll, ist häufig nicht formuliert. Ohne klare Ziele fehlt der Kompass für alle Entscheidungen im Projekt — und am Ende weiss niemand mehr, woran der Erfolg gemessen wird. 

Typische Anzeichen: Jeder Stakeholder hat ein anderes Bild vom «Erfolg». Funktionen werden diskutiert, aber nicht der Nutzen. Es ist unklar, woran die Geschäftsleitung die Investition misst. 

So machen Sie es besser: Formulieren Sie 3–5 messbare Ziele — zum Beispiel «Durchlaufzeit Offertstellung halbieren» oder «manuelle Excel-Listen für Lagerbestände abschaffen». Halten Sie diese Ziele schriftlich fest und kommunizieren Sie sie im Unternehmen. 

2. Anforderungen zu spät oder zu unstrukturiert

In vielen Projekten werden Anforderungen «im Gespräch» geklärt. Was am Anfang fehlt, kommt später als Change Request — mit entsprechenden Zeit- und Kostenfolgen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, sich in Details zu verlieren und das Projekt zu überladen. 

Typische Anzeichen: Anforderungen liegen verteilt in E-Mails, Excel-Listen und Köpfen. Fachbereiche sprechen eine andere Sprache als IT oder Anbieter. Es ist nicht klar, welche Anforderungen Pflicht und welche optional sind. 

So machen Sie es besser: Beschreiben Sie die wichtigsten Geschäftsprozesse in wenigen, verständlichen Szenarien. Priorisieren Sie Anforderungen in Muss / Soll / Kann und legen Sie mit dem Anbieter fest, was in Phase 1 wirklich umgesetzt wird. 

3. Die Realität im Betrieb wird unterschätzt 

Im Alltag eines KMU gibt es Sonderfälle, Workarounds und informelle Abkürzungen, die in keinem Prozesshandbuch stehen, aber täglich gelebt werden. Werden diese nicht berücksichtigt, entstehen nach dem Go-Live Lücken — und der Rückfall in alte Gewohnheiten. 

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Produktionsbetrieb mit 70 Mitarbeitenden hatte seine Auftragsabwicklung über Jahre mit einer Mischung aus ERP und parallel geführten Excel-Listen organisiert. Im ERP-Projekt wurden diese Listen nie systematisch erfasst. Nach dem Go-Live mussten sie trotzdem weitergeführt werden — weil das neue System die Sonderfälle nicht kannte. 

So machen Sie es besser: Binden Sie früh Mitarbeitende aus dem Tagesgeschäft ein und lassen Sie sich die echten Abläufe zeigen. Testen Sie mit realistischen Szenarien — schwierige Kunden, Sonderrabatte, Teillieferungen — nicht nur mit Standardfällen. 

4. Ressourcenplanung nach Wunsch, nicht nach Realität 

ERP-Projekte werden oft zusätzlich zum normalen Job gemacht. Im Angebot steht ein idealisierter Aufwand, der mit der tatsächlich verfügbaren Zeit wenig zu tun hat. Das führt zu Verzögerungen und Überlastung — oder zu schnellen, schlechten Entscheidungen unter Zeitdruck. 

Typische Anzeichen: Schlüsselpersonen sind ständig «nicht verfügbar». Meilensteine verschieben sich, ohne dass der Plan angepasst wird. Entscheidungen werden aus Zeitdruck getroffen, nicht aufgrund von Fakten. 

So machen Sie es besser: Planen Sie realistische Zeitkontingente ein und blockieren Sie diese im Kalender. Entscheiden Sie bewusst, welche Aufgaben ausgelagert werden — zum Beispiel Workshop-Moderation, Dokumentation oder Testmanagement. 

5. Den falschen Implementierungspartner gewählt 

Die Wahl des ERP-Systems ist wichtig — noch wichtiger ist, wer es einführt. Im KMU-Umfeld wird der Implementierungspartner oft nach Sympathie, Referenzliste oder Preis ausgesucht, ohne Arbeitsweise, Kapazitäten und tatsächliche Passung zu prüfen. 

  • Ein Partner, der grosse Kunden priorisiert und für KMU wenig Zeit hat. 
  • Teams, die technisch stark sind, aber die Sprache des Fachbereichs nicht sprechen. 
  • Anbieter, die primär an Lizenzverkauf interessiert sind — nicht an einer schlanken, passenden Lösung. 

So machen Sie es besser: Definieren Sie vor der Auswahl, welche Kriterien wirklich zählen: Branchenerfahrung, Umgang mit Änderungen, erreichbare Ansprechpartner. Führen Sie strukturierte Referenzgespräche mit Kunden ähnlicher Grösse. Und holen Sie eine neutrale Einschätzung ein, wenn Sie Angebote vergleichen — jemand, der kein Interesse am Abschluss hat. 

6. Datenmigration und Stammdaten werden unterschätzt 

Die beste ERP-Lösung nützt wenig, wenn die Datenqualität schlecht ist. Datenmigration wird in vielen Projekten zu spät adressiert — mit der Folge, dass kurz vor dem Go-Live hektisch aufgeräumt wird. Das kostet Zeit, Nerven und Geld. 

Typische Probleme: Dubletten und veraltete Stammdaten bei Kunden, Lieferanten und Artikeln. Inkonsistente Nummernkreise. Historische Daten, die niemand mehr versteht, aber trotzdem übernommen werden sollen. 

So machen Sie es besser: Beginnen Sie früh mit einer Bestandsaufnahme: Welche Datenbestände gibt es, in welcher Qualität? Entscheiden Sie bewusst, welche Daten ins neue System müssen — und welche archiviert werden können. 

7. Change Management als Nebenthema 

Oft wird angenommen, dass Mitarbeitende das neue System «schon lernen werden», wenn es einmal läuft. Ohne gezielte Vorbereitung kippt die Akzeptanz jedoch schnell — und mit ihr die Stimmung im Betrieb. 

Typische Folgen: Widerstand («Das haben wir immer anders gemacht»). Fehler im Tagesgeschäft, weil Abläufe nicht verstanden wurden. Hoher Supportaufwand direkt nach Go-Live. 

So machen Sie es besser: Kommunizieren Sie früh, warum das ERP-Projekt gestartet wurde und was sich für wen ändert. Bieten Sie praxisnahe Schulungen an echten Fällen an — nicht nur generische Demos. Benennen Sie Ansprechpersonen pro Bereich, die im Alltag als erste Anlaufstelle dienen. 

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